#69 Julia Kadel Trio

Julia Kadel Trio by Thomas Schlorke ©

Alles wegen Julia, Julia Hüls­mann: Ihr spielte Julia Kadel vor, das ist ein paar Jahre her und Julia (Kadel) war etwas unglück­lich, weil ihr beim Psy­cholo­gie-Studieren das Klavier aus den Augen geglit­ten war und der Sinn aus den Hän­den. Spielte sie also Julia Hüls­mann vor, die sagte: „Was willst du denn? Mach Musik!“ Seit­dem macht sie. Neues Studi­um begonnen, Trio gegrün­det, erste Auf­nah­men, die hört Till Brön­ner, der sie sein­er Plat­ten­fir­ma emp­fiehlt, die wiederum reicht sie an ihre Edel-Abteilung weit­er, und so kommt es, dass das erste Album dieses völ­lig unbekan­nten Trios wo erscheint? Bei Blue Note. Dur­chat­men. Blue Note!

Hat Thelo­nious Monk veröf­fentlicht. Hat Her­bie Han­cock veröf­fentlicht und Chick Corea und Brad Mehldau, Blue Note hat Miles Davis veröf­fentlicht und Son­ny Rollins und Quin­cy Jones, Wayne Short­er und John Coltrane, Ornette Cole­mann und Bob­by McFer­rin und Cas­san­dra Wil­son und Julia Kadel und Jamie Cul­lum und …

Zweites Album: „Eine Offen­barung!“ Schreibt die Kri­tik, es ist keine zwei Jahre her. Das Trio — Julia Kadel am Piano, Karl-Erik Enkel­mann am Bass, Stef­fen Roth an den Drums — bestätigt qua­si aus dem Stand das Niveau, das mit e.s.t., dem Esb­jörn Svens­son Trio geset­zt wor­den ist und für das heute Michael Woll­nys „(em)“ ste­ht und natür­lich das Tingvall Trio. Heißt: Null Retro-Jazz, keine Kun­st­fer­tigkeit­en, keine Jazz-Etü­den, son­dern … ach müsst ihr sel­ber hören, unbe­d­ingt. Julia Kadels Trio ist anders als der Pow­er­jazz von e.s.t., nicht so ver­rockt wie Tingvall, weniger akademisch als Woll­nys (em), aber mit einem eben­so weit­en Aus­drucksspek­trum, genau­so zupack­end, melodiös, spiel­freudig, ideen­re­ich. Das Kadel Trio mag alle solche Ver­gle­iche nicht. Das muss man sich leis­ten kön­nen.

Sagen wir es also anders: Dieses Trio kann musikalis­che Stim­mungen erzeu­gen, die wie eine cre­atio ex nihi­lo den Raum erfüllen, aber dann reit­et es diese Stim­mungen nicht wie ein Surfer seine Welle, son­dern taucht in sie ein. Ob man das, was dann mit einem passiert, Jazz nen­nt oder nicht, das sei gar nicht wichtig, schrieb ein Kri­tik­er, „diese Klang­welt ist ziem­lich offen. So als wäre all diesen Stück­en eine unaus­ge­sproch­ene Empfehlung beige­fügt: Taucht mit ein.“

Machen wir. Und dann ist da noch etwas, das Julia Kadel mit urban urtyp verbindet, sie kommt aus Kreuzberg, und urban urtyp ist die Indie-Rei­he an der Ruhr. 1 x im Monat son­ntags 19 Uhr, immer 10 Euro, immer anders. uu ist „ziem­lich offen“ um Julias Lob zu zitieren, uu ist Jazz und Post, Elek­tro und Sprache, Klas­sik und Ambi­ent und Pop und mehr. Stil, der sich keinem Stil ver­schreibt.

Das alles im Zen­trum der Stadt in einem Raum, der Musik verdichtet: ein Kubus, 10 x 10 Meter groß, er wird für jedes urban urtyp-Konz­ert in den weit­en Kirchen­raum gestellt, ein Hör­raum entste­ht, ein Bedeu­tungsraum. Mit Julia Kadel gesprochen: „Es ergibt keinen Sinn, etwas zu tun, das für mich keine Bedeu­tung hat.“


JULIA KADEL TRIO | urban urtyp #69

» Son­ntag 13. Jan­u­ar | 19 Uhr
» Ein­lass 18:30 Uhr
» wie immer bei urban urtyp: nur 10 € !
» VVK direkt hier bei uns
» oder bess­er noch: direkt bei uns reservieren, wir machen das dann