#72 Lea W. Frey

Lea W Frey und Band ©

Indie Ambi­ent Pop. Um es auf ein 3-Worte-Wort zu brin­gen, da fehlt jet­zt allerd­ings das Wort Jazz. Und das Wort Klas­sik, offen­bar ist die Stimme klas­sisch geschult, sie spaziert wie Tar­ja Turunen durch vier Oktaven. „Hohe Singkul­tur“, schrieb RONDO, das Klas­sik- & Jazzmagazin, „hohes Sucht­po­ten­tial“ die SÜDDEUTSCHE. Erin­nert an Kate Bush, das ist unver­mei­dlich, Leas Drum­mer wiederum ist Andi Haberl von The Notwist, um ein­mal in eine andere Rich­tung zu weisen. Gibt es das Wort Kraut-Pop? Käme hin.

Lea W. Frey also, Berliner­in und nicht zuge­zo­gen, Sän­gerin und top aus­ge­bildet. Ihr Drum­mer stammt wie gesagt aus dem Indie-Ambi­ent-Seg­ment, an den Sait­en das jazz-affine Brud­er­paar Mey­er, Peter und Mey­er, Bern­hard, sie bilden anson­sten 2/3 des Melt-Trios, das wiederum zu den auf­fäl­lig­sten Gitar­ren-Trios im hiesi­gen Jazz gerech­net wird, und an den Tas­ten die stets mask­iert auftre­tende Kün­st­lerin Liz Kosack aus New York.

Der Sound, den diese Mix­tur aus Noise-Pop und Ambi­ent, aus Song­writ­ing und Syn­thie-Sounds, auch Krautrock kann man her­aus hören, wenn man will, der Sound, der so entste­ht: kühl elek­tri­fiziert, sub­til har­monisch und etwa so trä­nen­ver­hangen wie der Blick, den Björk und Sig­ur Rós auf diese Welt gewor­fen haben, will sagen: gar nicht. Die Welt, die in diesem Blick erwacht, ist nicht verträumt, eher ver­spon­nen, nicht eso­ter­isch, aber etwas entrückt. Nicht düster, über­haupt nicht, son­dern kristallin und klar, aber auch das auf melan­cholis­che Weise.

Und darüber diese eis­meerk­lare Stimme, die — wir reden vom Pop — so unaf­fek­tiert singt wie man es hierzu­lande ewig nicht gehört hat: Sie bet­telt nicht um Gefüh­le, wie es die vie­len Schmerzens­män­ner tun, die es jet­zt gibt, Poisel & Prosa, Bendzko & Bourani & andere mehr, sie singt keine Töne von unten an, zer­rüt­telt sie in keinem Vibra­to und lässt sie am Ende ein­er Zeile nicht selb­stzerquält abschmieren — diese ganzen Tricks, um Gefüh­le vorzutäuschen, braucht sie nicht, Björk hat sie auch nicht gebraucht.

Großs­tadt-Pop eben. Nicht so zugänglich wie eine Kneipe in der Vorstadt und vor allem nicht so zudringlich wie Leute, die dort in gesel­li­gen Run­den sitzen. Diese Musik hier ist immer etwas fremd, hält immer auf vornehme Dis­tanz, hält immer etwas zurück. Es gibt Pop, der auf einen zukommt und unge­fragt umarmt, und es gibt Pop, vor dem man ste­ht und staunt wie ein Rät­sel­rater vor der Sphinx.

Wie für den Kubus gemacht.


Lea W. Frey | urban urtyp #72

» Son­ntag 07. April | 19 Uhr
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