
Tuba? Klingt nach Bierzelt, Bratwurst, Blasmusik. Vielleicht noch nach Brass Band, ein bisschen New Orleans, aber immer komisch und klobig, ländlich und langweilig. Zu viel Plus-Size vom Dorf, sexy wie ein Kutschergaul: ein Haufen verschlungener Rohre, aus denen ein Schmollmund ragt, darüber ein riesiger Schlund wie ein alles verschlingender Schoß …
… und dann das.
Die träge Tuba leicht und federnd, ihre Rundungen elegant, ihr Sound wie auf samtenen Pfoten. Warme Vibrationen wie eine Bass-Massage, schwebende Soundscapes, schwerelose Tiefen, über die sich anmutige Bögen schmiegen – und unversehens Klänge, wie man ihnen noch nie begegnet ist in der großen Stadt. Die sich partout nicht verorten lassen darin:
„Noch nie hat die Tuba so cool geklungen.“
Schrieb All About Jazz über die von Daniel Herskedal. Der norwegische Tubist bringt sein Blech dahin, wo niemand es jemals vermuten würde, er führt den Sound der Tuba über alle Grenzen hinaus, von denen man dachte, sie seien für alle Zeit gezogen. Nicht die Grenzen des Bierzelts, das sowieso, sondern die der Landschaften, die im eigenen Kopf entstehen.
Klar kombiniert er verschiedene Genres, arbeitet mit elektronischem Support, legt den Sound seiner Basstrompete über den der Tuba, arbeitet mit Song-Strukturen, bringt seine Tuba an Türstehern vorbei in die Ästhetik der Clubs hinein, in tänzelnde Trance: Gerade seine jüngsten Alben lassen die gewichtige Tuba wie eine Soundwolke schweben, die einen umhüllt und, ohne die Stadt zu verlassen, mit sich hinaus trägt in norwegische Weite hinein. Und die Musikwelt?
Zeigt sich schwerer beeindruckt, als die Tuba schwer sein könnte: Für seine Projekte zusammen mit Marja Mortensson haben er und die samische Sängerin 2019 und 2022 den Spellemannprisen entgegengenommen, den norwegischen Grammy. Ebenfalls 2019 hat er für den hochgelobten Indie-Film The Last Black Man in San Francisco – einer der Produzenten: Brad Pitt – das legendäre San Francisco (Be Sure To Wear Flowers In Your Hair) neu arrangiert und zusammen mit dem Soul-Sänger Michael Marshall eingespielt. Einen Song, mit dem dann Coca-Cola eine ihrer Kampagnen unterlegt hat: Open like never before …
Ist das Mainstream oder Indie? Rural oder urban? Selten, dass ein Sound aus dem völligen Off den Gefühlsnerv der Jetztzeit derart präzise trifft. Was Herskedal mit seiner Tuba schafft und ohne, dass er dies je politisiert hätte, er macht es einfach, er umarmt die Welt. Gibt nicht viel, das cooler wäre heutzutage.
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13. Februar 2027 | 20:00 Uhr
Daniel Herskedal
solo @ urban urtyp
Einlass 19 Uhr | VVK 20 € zzgl. Gebühren | Tickets direkt hier bei uns und in allen besseren VVK-Stellen bundesweit