Review Laura Carbone


 
Faszinierend, wie die Drei ihre dra­matur­gis­chen Lin­ien in den Raum hinein geze­ich­net haben, unglaublich schön, inten­siv, zer­e­moniell. Fotos von Olaf Rauch, hier seine gesamte Galerie: Weit­er­lesen

Bohren und der Club of Gore


 
Rosen­mon­tag ohne Bohren ist wie Chris­tuskirche ohne urban urtyp und wie Wei­h­nacht­en ohne Niko­laus und wie — wir reden von Bohren — wie Cow­boys ohne diesen einen Indi­an­er mit­ten­drin. Nach vier lan­gen Jahren, in denen rosen­mon­tags geschun­kelt wurde, als wür­den die Leute von Viruswellen durchgeschüt­telt, kehren Bohren und der Club of Gore zurück an den Ort, an dem am Rosen­mon­tag gar nichts ist. Kein Geschun­kel und Gewitzel, kein Karneval und kein Licht, der urban urtyp Kubus im Dunkel. Bohren kom­men aus Köln, was ihre Musik alles nicht ist, füllt Bände. Kein Jazz, kein Krach, kein med­i­ta­tives Zeugs. Kein Drone und kein Ambi­ent. Auch kein Kein­jazz. Kein schnell, kein langsam, viel langsamer. „Langsam­ste Band der Welt“, schrieb SPEX ein­mal, Weit­er­lesen

#81 Camille Bertault & David Helbock


 
„Märchen­haft“ nen­nt ACT, wie sie ihren gemein­samen „Play­ground“ gefun­den haben, das Märchen geht so: Er ein Junge aus dem Vorarl­berg, sie wächst in Paris auf. Er lebt mit seinem Klavier unter 4831 Ein­wohn­ern, sie chang­iert zwis­chen Schaus­pielkun­st und Jaz­zge­sang. Ein Schloss rückt ins Bild, Gold Glanz Glück, dann ein Meet­ing, alle dür­fen sich was wün­schen. Er wün­scht sich sie und sie sich einen Trompeter, trifft dann aber doch auf ihn, sie hören sich, sie ent­deck­en, wie intu­itiv sie zueinan­der passen, das Spiel begin­nt. Und so auch das Märchen, es ist alles genau so geschehen. Weit­er­lesen

#80 Kai Schumacher


 
Wenn es etwas gibt, das nichts zu tun hat mit ihm und sein­er Musik, dann ist es „Crossover”, ein Wort, das sug­geriert, irgend­was meets irgend­was. Bei Kai Schu­mach­er trifft nichts auf nichts, weil immer schon alles da ist. Je ver­schieden­er, umso ver­trauter. Klas­sik ist da, er hat klas­sis­ches Klavier an der Folk­wang studiert, Punk ist da und Pop und Min­i­mal Art, Dadais­mus und Duis­burg, Dance­floor und Kinder­lied, Avant­garde und Atari Teenage Riot. Hier ste­ht Schu­berts Franz im Raum, dort Cobains Kurt, man assozi­iert ohne Ende und unangestrengt, wenn man ihm zuhört, er spielt Solop­i­ano. Weit­er­lesen

#79 Laura Carbone


 
Die Zeit­en sind wirr, sich zurechtzufind­en in ihnen, gewin­nt etwas Sur­reales. „Wäsche nur noch nachts waschen“, titelt die FAZ. Son­der­bar, wie die Wirk­lichkeit ins Leben greift, das ver­wis­cht wie ein Tafel­bild. Gibt es Musik, die deuten kann? Die von Lau­ra Car­bone war immer schon dunkel gefärbt, düster getönt, aber nicht depres­siv, kein über­drama­tis­ches Als-ob. Gitar­ren­riffs, die wie vom Meeres­bo­den emporsteigen, sie schöpft aus ein­er Tiefe, in die sich nicht hinein, wohl aber hin­unter hören lässt. Der Titel ihres Albums von 2018, „Emp­ty Sea“, ruft ein Märchen der Gebrüder Grimm in Erin­nerung, ein armes, eltern­los­es Mäd­chen muss einen tiefen See mit einem löcheri­gen Löf­fel leeren …

Es gelingt, der See lässt sich auss­chöpfen mit einem Löf­fel, das Meer mit ein­er Gitarre. 2017 tourt Lau­ra Car­bone mit The Jesus And Mary Chain, die sind ja nun Weit­er­lesen

Brandt Brauer Frick


 
urban urtyp edi­tion //  Klas­sis­che Musik, dachte man, sei zugeknöpft, alle Knöpfe perl­mutt-belegt, das Leben durch­lit­ten. Während Tech­no schweißtreibend sei, die Kör­p­er ent­blößt, das Leben ein Rausch. Dann kamen BBF, seit­dem ist Tech­no Klas­sik und die Klas­sik berauscht. Brandt Brauer Frick. “Klingt wie eine Anwalt­skan­zlei”, sagen sie sel­ber. Und wer­fen sich in Anzüge, warum? “Aus unser­er Affinität zu Kraftwerk”, sagen sie, “musikalisch sind wir eigentlich genau das Gegen­teil, aber vom Look her fan­den wir sie ziem­lich inter­es­sant, ihre über­triebene Ern­sthaftigkeit. Weit­er­lesen

#84 Nullmillimeter

Vic­tor Kateav ©

Die Ent­fer­nung zwis­chen … und jet­zt das ganze Pro­gramm: zwis­chen nah & fern, klar & neblig, süß & sauer, alt & jung, zwis­chen dir & mir und uns & euch und iden­tisch & auch iden­tisch, zwis­chen gestern & heute, vor & nach, oben & unten, Erde & Him­mel & so weit­er, die Ent­fer­nung beträgt Nullmil­lime­ter.

Das ist exakt null “in between”, genau da sind Nullmil­lime­ter zuhause. Eine neue Band, eine alte. Ent­standen aus Frag­menten der ersten Gis­bert zu Knyphausen Band und Kid Kop­phausen. Ham­burg­er Szene satt. Weit­er­lesen

Review Shalosh

 

Shalosh an Rosh Hashana, dem jüdis­chen Neu­jahr: Bess­er kann ein neues Jahr, es ist das 5783igste, nicht begin­nen. Spielerische Inten­sität, flüs­siges Erzählen, eine unwider­stehliche Dra­maturgie und eine Leichtigkeit, die, je schw­er­er es wurde, je schw­erelos­er erschien: “It’s not a band, it’s an idea.” Fotos von Sabine Hah­ne­feld und, die Galerie wächst, dem urban urtyp-Kollek­tiv, Shalosh hat in der urban urtyp edi­tion gespielt:
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Shalosh

Shalosh ©

urban urtyp edi­tion //  Ein Jazz-Piano-Trio? Eine Band, ein Spaß, ein post­mod­ern­er. Eine Welt aus Zitat­en und Ver­weisen, eine Jonglage mit dem, was man  –  erstens  –  ken­nt, was man  –  zweit­ens  –  ganz anders ken­nt und was man  –  drit­tens  –  kön­nte ken­nen kön­nen. Shalosh ist das hebräis­che Wort für 3, die 3 kom­men aus Tel Aviv, dieser grellen, bun­ten, tol­er­an­ten Stadt. Ein­er Stadt am Meer, übers Mit­telmeer kamen immer die fer­nen Dinge, die Sounds der Anderen. In diesem Klanggewirr  –  Ori­ent und Okzi­dent, Afri­ka und Alter­tum, Neuzeit und Nahost usw.  –  sind sie aufgewach­sen in den 90ern, 3 Fre­unde, die für Nir­vana schwärmten und für Brahms, Weit­er­lesen

#77 Unplaces


 
Müssen wir uns erst wieder in Erin­nerung rufen nach end­losen Zoom-Kon­feren­zen und öden Wohnz­im­mer-Konz­erten: dass Musik nicht aus dem Äther fällt, Musik fällt einem ein. Und was ein Ein­fall aus­löst, zeigt sich, wenn er live gespielt wird und gehört. Die beste Musik ist noch immer die, die man nicht ken­nt. Jet­zt am Son­ntag starten wir urban urtyp neu: 30 Monate nach #76 eröff­nen UNPLACES die neue Spielzeit. Weit­er­lesen