pop-kommentar: north stream 2

uu Arbeitsplatte by Marc Eden ©

Von Oliver Schultthoff, uu resident dj // Auf meiner Reise von der russischen Küste nach Greifswald in Deutschland stieg ich zunächst in den Bus und fuhr nach Süden. Wir mussten die baltischen Staaten vermeiden und über Weißrussland und Polen weiterreisen. Schließlich kamen wir in Greifswald an und mussten feststellen, dass die angebliche Weltmeisterschaft im Disco-Dance nur eine deutsche Meisterschaft war und zwar von Greifswald, aber nicht dort, sondern in Neubrandenburg ausgerichtet wurde. Also mussten wir wieder einsteigen und noch ein paar Stunden weiterfahren. Wir durften an der Meisterschaft freundlicherweise teilnehmen, wenn auch außer Konkurrenz, fast schon wie diese chinesische Fußballmannschaft, die in der deutschen dritten Liga spielte. Ich hatte davon gelesen. Es war eine gute Übung.

Am ersten Abend in Neubrandenburg zeigte man uns einen James-Bond-Film. In diesem Film flüchte der berühmte Agent aus Russland, indem er in ein Wartungsfahrzeug in einer Gaspipeline stieg und sich vermittels hohen Drucks durch die Pipeline schießen ließ. Großartig! Das wollte ich unbedingt selbst erleben. Da die nächste Weltmeisterschaft in meinem geliebten Discodance in vier Jahren wirklich in Greifswald stattfinden würde, bekniete ich meinen Vater, doch von St. Petersburg durch die wirklich sonst völlig überflüssige Ostsee (so überflüssig, wie heutzutage Kriegsschiffe dorthin zu schicken, was C.S. Forester mit Horatio Hornblower noch ganz anders sah) eine Pipeline nach Deutschland zu bauen. Was wir hierdurch an Zeit im Bus alles sparen würden! Und wie aufregend diese Reise werden würde! Ich wäre dann 16 und im Hauptformationsteam, nicht mehr so ein kleines Mitglied der Kids Formation!

Vier Jahre später war es dann so weit.

Als ich herausgefunden hatte, dass sie jetzt auch noch Gas durch die Leitung schicken würden und nicht nur Kinder, da war es schon fast zu spät. Ich hatte nachgeschaut und nachgehört und endlich verstanden, dass meine „baltic sea“ das war, was diese Leute „Ostsee“ nannten. Das muss einem ja auch mal erklärt werden. Hierzu hatte ich eine Menge Berater, von denen einer Fan von Faron Young war, den er sogar morgens um früh um vier hörte, wenn er auf dem Highway zur Arbeit fuhr. Dieser Fan sammelt alles, was es zu diesem Thema gab und so wusste er auch etwas mit dem baltischen Meer anzufangen. Kleines Meer, großartiger Job, keine Kriegsschiffe, die sind absolut überflüssig dort.

Also habe ich entschieden: wir bauen unsere eigene Pipeline.

Eine riesige Pipeline von Long Island nach England, sagen wir Manchester. Tolles Land, gute Leute dort. Wir werden hierzu Arbeiter brauchen, eine Menge Arbeiter. Wir werden fast nur Amerikaner nehmen, die dann, wenn sie fertig sind, also wenn wir auf den englischen Norden treffen, auch meinetwegen in England bleiben können. Kleines Land, lustige Regierungschefin, seltsame Königin, aber die war ja mal jung und damals schon sehr schlank. Für ihr Alter sieht sie gar nicht schlecht aus, fast schon auf seltsame Weise schön. Was? Das war gar nicht die Queen, das war eine Schauspielerin? Oh Boy, weißt Du was wir dann machen? Wir bauen aus Rache für die Schauspielerkönigin in der Baltic Sea einen Abzweig an die Gasleitung und schicken das Gas von der anderen Seite nach England. Große Leitung! Wirklich gute Arbeit, das da oben rum zu legen.

Und so kam es, dass wir zur Disco-Dance Weltmeisterschaft einstiegen und in Manchester herauskamen. Danke America!


Oli Schulthoff ist resident dj von urban urtyp. Mitgeschrieben haben hier ua::

» Prefab Sprout / Faron Young (Acoustic)
» Depeche Mode / Pipeline
» The Fall / Hit The North
» Friends Of Gas / Seltsam Schön
» Dels / Trumpalump
» Cabaret Voltaire / Thank You America 

2 Kommentare zu diesem Artikel

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